Winterverbrennung in Neuleiningen

Am Sonntag "Lätare", das ist der 3. Sonntag vor Ostern, wird in dem kleinen Burgdorf Neuleiningen nach über 400 jähriger Tradition Stabaus gefeiert. Dazu wird am westlichen Dorfausgang von der "Dorfjugend" aus Stroh, Reben und ein paar Holzstangen der Strohmann gebunden und aufgerichtet. Der Strohmann, symbolisiert den Winter, wird dann mit Muskelkraft und lautem, aber nicht immer schönem Gesang durchs Dorf gezogen. Dabei wird an jedem Lokal halt gemacht, zum Zwecke der Stärkung. Dies geschieht meist in flüssiger Form. Am Ziel, der Sandkaut am östlichen Dorfausgang, wird der Strohmann dann den Flammen übergeben. Dies soll das Ende des Winters sein. Leider klappt das mit der Magie des Mittelalters nicht immer so, denn es hat schon oft direkt nach der Winterverbrennung kräftig geschneit und es ist noch mal kalt geworden.

Nachdem der Winter den Flammen übergeben wurde zieht alles, angeführt von der Blaskapelle, zum Restaurant " H'manns", denn hier
wird zum Schluss die grosse Stabausbrezel versteigert, dabei wird noch die eine oder andere Schorle und so manche Bratwurst vernichtet.

Das Stabauslied

Für alle, die beim nächsten Stabausfest mitsingen wollen, hier schon mal der Text zum üben. Doch Vorsicht ist geboten, die GEMA hört alles.

"Jetzt fängt das schöne Frühjahr an und alle Blümlein blühn, Blümlein blühn, da steigt die olde Sennerin auf die Alm, da ziehts mich hin,
ziehts mich hin. Stabaus, Stabaus der Fuchs, der steigt ins Hinkelhaus holt 3 Eier raus. Meer ens, deer ens, die annere grien gakenns.
Stabaus, Stabaus en Schobbe Woi raus."

© Gemeinde Neuleiningen.

Stabaus
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Die Tradition des Stabaus in Neuleiningen

Das Fest der Winterverbrennung (Stabaus) hat nach dem Volksmund in Neuleiningen noch eine ganz andere Bedeutung, die im
Laufe der Jahre, angeblich seit 1525, mit der heutigen verquickt worden ist. Wie im Mittelalter üblich , hatten auch die Leininger Grafen
das Recht des Zehnten. Das heißt, die Bauern mussten den zehnten Teil ihrer Erträge an den Grafen abliefern, sozusagen die Steuern von
damals. Je besser die Ernte, desto mehr mussten die Bauern abliefern. Manchmal mehr als der Graf mit seinem Hofstaat verbrauchen
konnte. Der Graf lies nun den Teil, den er nicht verwenden konnte, vor den Augen der erzürnten Bauern verbrennen. Es war bis in die
Anfangsjahre des 20 Jahrhundert Brauch , das jeder Bauer am Sonntag "Lätare" seinen Bündel Stroh abliefern musste. Das Verbrennen
derselben erinnert an die Unsitte der alten Grafen. Das dieser alte Brauch und die viel später auftretende Winterverbrennung zusammen
fielen, ist damit ja klar. Beide Bräuche haben eines gemeinsam, das Verbrennen eines Strohmannes.

Quelle: Die Rheinpfalz